An dieser Stelle möchte ich einige wichtige Dinge im Zusammenhang mit Meerschweinchen klären und erklären. Auf lange Ausführungen verzichte ich bewusst, da es schon sehr viele Internetseiten dazu gibt (siehe Links). Wenn Sie ein Thema vermissen oder spezielle Fragen haben, dürfen Sie sich gerne melden, dann füge ich entspr. Wünsche gerne ein. Diese Seite wird ständig erweitert und verbessert.

 

Ernährung

Was die Ernährung betrifft sind Meerschweinchen eigentlich nicht sehr anspruchsvoll. Sie kommen ursprünglich aus der Andenregion und leben dort hauptsächlich von Gräsern. Ihr Verdauungsapparat arbeitet deshalb sehr effektiv. Sie müssen in der Lage sein, alle wichtigen Nährstoffe aus dem kargen Nahrungsangebot zu ziehen. Zudem fressen sie ihren Blinddarmkot, der viele wichtige Nährstoffe und Vitamine enthält. Das ist für mich ein wichtiger Grund, einem Schweinchen niemals einen Halskragen aufzusetzen, da er diesen wichtigen Vorgang verhindert.

Diese Effektivität, Nährstoffe zu gewinnen führt immer wieder zu Problemen. In den Zoohandlungen werden viele, völlig ungeeignete Futtermittel angeboten. Grundnahrungsmittel für Meerschweinchen ist gutes Heu. Heu sollte immer ausreichend zur Verfügung stehen. Es reguliert die Verdauung und fördert den Zahnabrieb. Dient daher auch der Vorbeugung von Zahnproblemen. Bitte kaufen sie nur gutes, frisches Heu ein. Leider kommt es oft vor, dass das Heu feucht verpackt wird und dann noch luftdicht verschweisst in den Beuteln lagert. Es bilden sich Schimmelpilze, das Heu riecht muffig und staubt. Gutes Heu sollte frisch und aromatisch riechen und nicht stauben.

Zum Thema Getreide kann ich nur sagen: Finger weg!! Getreide, Zucker, Milchprodukte.... dies alles sollte niemals in einem Futter für Meerschweinchen vorkommen. Besonders schädlich sind auch Farb- und Konservierungsstoffe. Bunte Pellets, herzförmige Futterbrocken sind nur für das Auge des Menschen und für den Geldbeutel der Futterindustrie gemacht. Den Meerschweinchen schadet es. Solche Futtermittel machen dick, führen zu Zahnproblemen, Verdauungsstörungen, Krebs, Blasensteinen und einer deutlich geringen Lebenserwartung.

Meerschweinchen brauchen vor allem Gräser, Kräuter, Frischfutter, Obst (in Maßen), Gemüse, Zweige, Blätter. Es gibt auch gute, getreidefreie Futtermittel. Besonders wichtig ist eine ausreichende Vitamin C - Versorgung. Dieses lebenswichtige Vitamin können Meerschweinchen nicht selbst bilden. Es muss daher in der Nahrung vorhanden sein. Gerade weil Meerschweinchen ein effektives Verdauungssystem besitzen, sollte auf eine relativ calciumarme Ernährung geachtet werden. Zu viel Calcium führt gerne zu Blasensteinen. Futtermittel, die Luzerne als Hauptbestandteil enthalten sind deshalb ebenfalls ungeeignet.

Eine weitere Besonderheit des Verdauungssystems besteht im Transport der Nahrung. Meerschweinchen haben kaum Darmperistaltik. Der Nahrungsbrei wird fast ausschliesslich durch den Druck der nachfolgenden Nahrung weiter transportiert. Es muss also vorne immer etwas hinein, damit hinten was rauskommen kann. Meerschweinchen fressen eigentlich ständig. Diese Besonderheit gilt es zu beachten, wenn Meerschweinchen aus irgendeinem Grund die Nahrungsaufnahme verweigern. Dann muss schnell zwangsernährt werden, da der Nahrungsbrei sonst nicht weiter transportiert wird. Es kommt zu Verstopfung und Gasbildung. So etwas kann sehr schnell zum Tod des Tieres führen. Meerschweinchen können nicht erbrechen. Sie sind darauf angewiesen, dass ständig Nahrung aufgenommen wird.

 

Lebenserwartung: 

Die Lebenserwartung von Meerschweinchen wird häufig mit 5-8 Jahre angegeben. Es ist tatsächlich so, dass viele Schweinchen ein Alter von 7-8 Jahren erreichen. Bei guter Pflege und Veranlagung können sie aber bis zu 15 Jahre alt werden.

 

 

4. Kralle / "Wolfskrallen"

Manche Schweinchen haben an den Hinterbeinen eine 4. Kralle. Diese ist meistens nicht verknöchert, sondern hängt nur an einem Hautlappen. Die Kralle kann an einem oder an beiden Hinterbeinen angelegt sein. Sie stört das Tier nicht aber es kann - wie beim Hund auch - zu Verletzungen kommen, wenn das Tier daran hängen bleibt. Ich lasse sie deshalb immer entfernen. 

Es handelt sich dabei nicht um eine Missbildung, sondern eher um ein Relikt. Das Wildmeerschweinchen, von dem das Hausmeerschweinchen abstammt, besitzt 4 Krallen. Es verhält sich damit also wie mit den Wolfskrallen beim Hund. Manche Tiere haben sie und andere nicht.

Kastration / Frühkastration:

Bei den Meerschweinchen werden hauptsächlich die Böckchen kastriert. Nur in Ausnahmefällen (z.B. bei Eierstockzysten oder Tumoren) auch die Weibchen. OP´s sind für Meerschweinchen immer ein Risiko, da sie sehr empfindlich auf die Narkosemittel reagieren. Die Böckchen haben sehr große Hoden, d.h. sie besitzen einen großen Fettkörper um die Hoden herum, was die OP verhältnismäßig aufwändig macht. Die OP-Kosten sind deshalb relativ hoch (50-70 Euro).

Frühkastration bedeutet, dass die Böckchen schon vor Erreichen der Geschlechtsreife kastriert werden. Sie wiegen dann maximal 250 gr und sind erst 2-3 Wochen alt. Der Vorteil liegt darin, dass sie auch als erwachsene Tiere nicht von anderen Böcken als solche erkannt werden. Man kann sie sehr gut mit geschlechtsreifen oder später kastrierten Böcken vergesellschaften.

Nach der Kastration ist es wichtig, dass sich die Wunden nicht infizieren. Es muss eine tägliche Wundkontrolle stattfinden und die Tiere sollten nicht auf Streu gehalten werden, damit kein Staub in die Wunden gelangt. Ich setze sie bevorzugt auf Küchenrollen oder auf alte Handtücher (für 14 Tage). Die Wunden sind zwar vernäht aber es kommt oft vor, dass sich die Tiere die Fäden vorzeitig ziehen. Bei Frühkastraten macht dies auch häufig die Mutter beim Putzen, da sie zu der Zeit noch gesäugt werden. Hat sich die OP-Wunde erst einmal infiziert muss sie offen bleiben und von innen her abheilen. Meistens muss täglich gespült werden. Zusätzlich erfolgt die Verabreichung von Antibiotika. Die ganze Aktion ist ziemlich aufwändig. Deshalb scheuen viele Tierhalter vor einer Kastration zurück. Fakt ist aber, dass es absolut wichtig ist, die Böckchen kastrieren zu lassen. Zum einen wird unerwünschter Nachwuchs verhindert und zum anderen ist es die einzige Chance für die Tiere, ein artgerechtes Leben in einer Gruppe führen zu können.

Ich biete Ihnen deshalb einen Kastrationsservice an. D.h. wenn Sie keine Zeit für die aufwändige Pflege haben oder sich dies nicht zutrauen, können Sie mir die Böckchen bringen. Ich nehme sie dann für eine oder zwei Wochen in Pflege und wenn alles gut verheilt ist, holen Sie ihr Tier wieder ab.

Ganz wichtig: Nach der Kastration müssen die Böckchen noch mindestens 6 Wochen von den Weibchen getrennt gehalten werden, da sie während dieser Zeit noch zeugen können!!! Sie besitzen einen Samenvorrat!!